7 Jahre GAILTALNETZ – KULTURDATENBANK

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Pisnen

Pisnen – ein Kärntner Brauch mit keltischen und christlichen Wurzeln am 28. Dezember (Unschuldiger Kinder-Tag)

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Foto vom 28.12.2016, aufgenommen in Hermagor. Die Schwestern Elizabeth, Miriam und Olivia Maddock sorgen dafür, dass der alte Brauch weiter gepflegt wird. Mit freundlicher Genehmigung der Familie Maddock. Hier noch einige Schnappschüsse… https://gailtalnetz.wordpress.com/brauchtum/besonderheiten/pisnen/pisnen-fotos/ (und ältere Fotos wollen noch aus Archiven ausgegraben werden…)

Am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder, hat sich ein Brauchtum namens „Pisnen“ erhalten. Dabei kommen Kinder ausgestattet mit einer „Tase“ (Fichtenzweig) (in Hermagor sagt man „Tasche“ mit langem a, vermutlich auch anderswo) und wünschen den Erwachsenen mit einem Spruch, wie zB.

Pisna, pisna letzter
gern geben, long leben
wünsch a glücklich’s neies Johr
G’sund bleiben dos gonze Johr

oder:

Bischt eleschte,
frisch und gesund,
lang lebn, gern gebn,
gsund bleibn
und a guats neu’s Joahr…
und das alte is schon goar!

für den bevorstehenden Jahreswechsel alles Gute. Der zweite Spruch („Bischt eleschte“) ist in Hermagor gebräuchlich, wobei die letzte Textzeile ein scherzhafter Zusatz ist, der auch weggelassen werden kann.

Die Sprüche variieren stark von Ort zu Ort – es wäre reizvoll, sie hier zu sammeln.

Die Abstreichen mit der „Rute“ war nicht als Züchtigung gedacht, sondern diente zur „energetischen Reinigung“, wie wir heute sagen würden. Verbunden mit einem Heilspruch. Sicher kein Zufall, dass dieser Brauch in den sagenumwobenen Raunächten stattfindet.

(Bischt eleschte = „du bist erlöst, befreit“)

(GAILTALNETZ)

———————

Die folgenden Informationen verdanken wir der

Quelle: „Advent in Kärnten“, Internet

UNSCH. KINDERTAG

Tag der unschuldigen Kinder

Am 28. Dezember, dem Tag der Unschuldigen Kinder, dürfen die Kinder die Erwachsenen im Haus und auf der Strasse mit einer Rute streichen. Für dieses Streichen oder auch Pisnen genannt, verwenden sie Zweige von Sträuchern oder immergrünen Fichten und Tannen. Durch das Streichen soll die Lebenskraft der Sträucher auf die Erwachsenen übertragen werden und ihnen Gesundheit im neuen Jahr beschert sein. Die Wünsche für die Erwachsenen werden von den Kindern meist in Form kleiner Reime vorgetragen.

z.B.:

„Schapp, schapp, frisch und gsund, lång lebn, gsund bleibn und a glücklichs neus Jåhr.
Nix klunzn, nix klågn, bis i wieder kimm schlågn“

oder

“ Gsund bleibm, lång lebm,
nix klunzn nix kågn
bis i wieder kum schlågn.
Dås Christkindl mit de gekrauslten Håår
wünscht Dir a glückliches neies Jahr.“
(Mail von Fr. Dr. Wollenweber-Ratzer,
Kopenhagen, Vanlose; stammt aus St. Andrä im Lav.)

Als Belohnung erhalten die Kinder Äpfel, Nüsse, Zuckerln und Münzen, für die Sparbüchse.

Quelle: SAGEN.at (Internet)

Am Tage der Unschuldigen Kinder.

Bild:
Kinder beim „Pissnen“ in Gmünd. Aufnahme aus dem Bestand des Kärntner Heimatmuseums in Klagenfurt

Zu Weihnachten ist das Licht wieder zum Siege gelangt, die Sonne hat ihren Tiefstand überschritten und erhebt sich allmählich wieder höher. Obgleich der Frühling noch weit ist, werden schon jetzt Handlungen vollzogen, um die geheimnisvoll belebende Kraft der Natur dem Menschen dienstbar zu machen. Sie äußert sich vor allem in gewissen Zweigen, an denen die grüne Farbe oder Knospen das darin schlummernde Leben anzeigen. Zweige der Weide, der Tanne oder Fichte, der Birke, des Wacholders, der Hasel oder deren ein ganzes Büschel sollen dadurch, daß man den Menschen damit schlägt, ihre Kraft auf ihn übertragen. Mit solchen Zweigen und Rutenbündeln ausgestattet, ziehen am Unschuldigenkindertag (28. Dezember) ganze Scharen von Kindern allenthalben von Haus zu Haus. Jedem, ohne Unterschied des Alters und Standes, vor allem der Hausfrau und erwachsenen Mädchen, versetzen die Kinder leichte Schlage mit diesen Ruten, wobei sie verschiedene Sprüche hersagen. Das Recht des „Schappens“ gilt aber nur bis Mttag. Später Kommenden droht man, sie ins Ofenloch zu stecken. Als Belohnung erhalten sie Äpfel, Nüsse, Kletzenbrot und Backwerk, was fürsorgliche Hausfrauen in ganzen Körben für diesen Zweck bereitstellen, aber auch Kleinmünzen. Wer viel gibt, dem wird nach dem Volksglauben reichlicher Ertrag der Fluren lohnen, wer die Glückbringer abweist, bringt sich um den Segen. Im oberen Lavanttal heißt es, je mehr „Schmeißer“, desto besser für den Getreidebau. Ein Segenswunsch aus Zeltschach drückt dies so aus:

frisch und gsund, frisch und gsund,
freudenreich, lang leben, nit sterben,
glückseliges neugs Jahr ausleben,
Roggen sollt Vierling gebn
und der Woaz a,
der Haber sollt zottat sein
und die Kuah schwar.

Große Freude löst es aus, wenn es den Kindern gelingt, Langschläfer mit ihren Glücksruten aus dem Bette zu treiben. Mägde müssen an diesem Morgen besonders vor Knechten auf der Hut sein. Die große und kleine Bauernjugend beteiligt sich an diesem Brauch. Aber auch unter Verwandten und Bekannten gilt das gleiche Recht. Im windischen Gailtal ziehen um diese Zeit die Burschen zu Mitternacht, mit Fichtenästchen versehen, bei den Häusern herum und verlangen polternd Einlaß. Wird er ihnen gewährt, so „pisnen“ (züchtigen) sie die Hausleute. Von den Gitschen (Mädchen), deren bevorzugte Tänzer sie sind, erhalten sie an diesem Tage dafür als Entgelt allerlei Geschenke, wie Seidentüchlein, ein Hemd oder Zigarren. Im Katschtal gingen Knechte und Mägde mit Fichtenästchen in der Nachbarschaft herum und schlugen die Hausleute. Diese selbst suchten einer dem anderen beim gegenseitigen Schlagen zuvorzukommen. Der zuerst Getroffene mußte den andern mit einer Gabe abfinden. Dienstboten erhielten auf jeden Fall ihre Gabe, das sogenannte „Pissnerguat“ .

Das Streichen mit diesen Ruten bringt die wohltätigsten Wirkungen hervor, worauf schon die verschiedenen Sprüche anspielen. So sagen z. B. die Kinder im Lesachtal:

Biste, leste, frisch und g’sund!
Läng leben, gern geben.
Soviel Stapfel auf der Stiag’n,
soviel Kinder in der Wiag’n.
Soviel im Stall Rinder,
soviel in der Stub’m Kinder.

Die Lebensrute bringt auch Feldgewächsen oder Bäumen reichen Ertrag. Daraus erklärt sich der Lavanttaler Brauch: wenn am Unschuldigenkindertage die Hausfrau bereits von mehreren Kindern geschlagen wurde, geht sie in den Obstgarten und streicht die Baume mit einer Rute. Das sichert eine reiche Obsternte. Im Rosental wird der erste Schapper, der zum Haus kommt, am reichlichsten belohnt. Dafür hat er den ganzen Obstgarten abzulaufen und jeden Baum mit seiner Rute zu wichsen.

Lebenskraft und Gesundheit verheißt der am häufigsten verwendete Spruch:

Schapp, schapp, oder Plissa lesn,
frisch und g’sund, lang leben, gern geben.

Ein Gurktaler Sprüchlein verheißt sogar Unsterblichkeit:

Frisch und g’sund, frisch und g’sund,
lang leben und nit sterben,
a Biaftasch’n voll Geld hergeb’n.

Dieser Anschauung entspricht es, daß im Rosental alte Leute sagen, wenn sie nicht mehr geschappt würden, sei ihr Todestag nahe.

Und ein slowenischer Schappsegen beschreibt seine Wirkung so: Sei gesund und frisch wie die Vögel im Wald und der Fisch im Wasser, stark wie der Bär im Gehölz und werde mit so viel Kindern gesegnet, als der Baum Äste trägt.

Verleiht der Schlag mit der Lebensrute Fruchtbarkeit und Gedeihen, so feit er gegen Ungeziefer und reißendes Getier. Diese beiden Wirkungen umschreibt ein Spruch, der in Mittel- und Oberkärnten gebräuchlich ist:

Frisch und g’sund, frisch und g’sund,
beiß di ka Floh, ka Hund,
beiß di ka Wolf, ka Bär,
gib na gnua Plissenguat her.

Eine mehrfache Verwendung findet die Schapprute in Uggowitz im Kanaltal. Dort werden große Fichten- und Tannenzweige, kreisrund angeordnet, zusammengebunden, mit Flimmerwerk, Bändern und Silbertalern geziert, die mit rotem Stoff umsäumt werden. Mit dieser „Schapa“ oder „Tas’n“ gehen die Dorfburschen am Vorabend des 28. Dezember zu allen angesehenen Männern des Ortes, Lehrer, Pfarrer und Bürgermeister, und in die Gasthäuser, singen vor dem Haus ein Lied, tragen dann die Schapa in die Wohnung des Betreffenden und wünschen ihm ein glückliches neues Jahr. Nach Absingen eines Liedes gibt ihnen der Geehrte ein Geldstück in die Sammelbüchse, worauf sie weiterziehen. Jeder Bursch läßt auch sein Mädchen schappen, wofür dieses gleichfalls eine Geldspende erlegen muß. Aus dem ganzen Erlös wird am ersten Sonntag nach Dreikönig in einem Gasthaus die sogenannte Schapamusik mit Tanz bestritten. Während dieser ist die Schapa oder Tas’n in der Ecke oberhalb des Musikantentisches angebracht und wird wohl bewacht. Mit der Schapa stellt sich dort aber auch der Bursch, der um die Hand eines Mädchens anhalten will, begleitet von zwei Freunden (Kompare), in der Abendzeit bei ihm ein. Indem er die Schapa vorhält und seinen Spruch aufsagt, bittet er um das Jawort.

Ursprünglich mögen die Gaben, mit denen die Bisner beschenkt werden, wohl zum Dank für empfangene Wohltaten verteilt worden sein, wie der Bote im Mittelalter für eine günstige Nachricht die Botenmiete, das Botenbrot erhielt. Später hat die christliche Kirche die Veschenkung als milde Gabe an die Armen umgedeutet. Christlichem Einfluß ist es wahrscheinlich auch zuzuschreiben, daß der Brauch gerade auf den Tag der Unschuldigen Kinder verlegt wurde, dessen Gedächtnisfeier in der Kirche die Auffassung nahelegte, die Kinder dürften sich an diesem Tage für die Schmerzen, denen sie der grausame Herodes überlieferte, nach ihrer Art an den Erwachsenen rächen.

Die sprachlichen Bezeichnungen des Schlagens mit der Lebensrute sind folgende: Plissnen , abgeleitet von plissa oder plisse , Mehrzahl plissn , Nadeln des Nadelgehölzes. Die beinahe in ganz Oberkärnten übliche Bezeichnung pisnen , pisn , (Pisnerguat, Pisnertag) entspricht dem mittelhochdeutschen bisen , umherrennen, mutwillig springen. Im selben Gebiet finden wir damit abwechselnd auch den Ausdruck leastnen , der von slowenisch leska , Haselstaude, Haselgerte, abgeleitet ist; denn am Weißensee nennt man das Schlagen mit der Lebensrute lesggn .

In Mittel- und Unterkärnten, aber auch im Rosental, Untergail- und Kanaltal heißt der Vorgang schap’n oder tschap’n , auch „frisch und g’sundgeben“, die Rute „Schapruatn“ oder „Schapriatle“. Das entsprechende slowenische Wort šapati ist dem Deutschen entlehnt. Schap, verkleinernd Schabl, bezeichnet einen Bund, ein Büschel, namentlich von belaubten Zweigen. Im Lavanttal, Görtschitztal und sogar noch auf dem Krappfeld und Zollfeld nennt man den Schlag mit der Lebensrute schmeiß’n . In mehreren Gegenden Oberkärntens, um Millstatt, Treffen, im Maltatal u.a. werden für die Pisner eigene handgroße Laibchen aus Roggenmehl gebacken, wie sie zu Allerseelen üblich sind. Auch um Moosburg erhalten sie zu den gewöhnlichen Gaben noch fingerlange Allerheiligenstriezel. Im Kanaltal tragen diese Brotlaibchen wie ihre Ebenbilder zu Allerseelen den Katschúele oder Gatschíəln , zu italienisch schiacciare , platt quetschen, das in mehreren italienischen Mundarten als kizzola , kissola , kečola , kixoel usw. als Name für Allerseelengebäcke fortlebt. Die Verwendung von Allerseelengebäck als Pißnergabe scheint darauf hinzuweisen, daß der sogenannte Kindleintag in der Weihnachtszeit an die Stelle eines alten Seelentages getreten ist.

Bräuche von Stephanstag bis Silvester:

http://www.sagen.at/doku/graber/stephanstag.html

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