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EU Leitbild nachhaltige Entwicklung

ARGE_Leitbild_2010_1 PDF

Leitbild für Landentwicklung und Dorferneuerung in Europa
Im Dezember 2009 beschloss die Vollversammlung der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung ein neues „Leitbild für eine nachhaltige Entwicklung europäischer Dörfer und Landgemeinden“. Es ist als Weiterentwicklung und zeitgemäße Adaptierung des Leitbildes aus dem Jahr 1996 (siehe unten) zu verstehen.  Eine aktuelle Download-Version können Sie hier herunterladen. 

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Grundsätze einer europäischen Zusammenarbeit für die integrierte Entwicklung ländlicher Regionen

Am 28. Februar 1996 hat der Offizielle Beirat der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung im Rahmen des 3. Europäischen Dorferneuerungskongresses in Konstanz das “Leitbild für Landentwicklung und Dorferneuerung in Europa” und damit die Grundsätze einer europäischen Zusammenarbeit für die integrierte Entwicklung ländlicher Regionen beschlossen.

Wenn auch schon etwas in die Jahre gekommen, hat dieses Leitbild noch immer seine Gültigkeit. Und dies zu Recht. Denn seine zentrale Botschaft, das Bekenntnis zu einer umfassenden, nachhaltigen ländlichen Entwicklung, ist heute aktueller denn je.

I. Präambel

Im neuen Europa werden Solidarität mit benachteiligten Gebieten und Subsidiarität großgeschrieben. Regionale Strukturen gewinnen an Bedeutung, eine progressive Politik zur Entwicklung ländlicher Räume nimmt ihren Lauf. Hauptverantwortlich dafür zeichnet die Europäische Union, die mit der 1988 vom Rat beschlossenen Reform der Strukturfonds und mit dem Vertrag von Maastricht entscheidende Schritte in diese Richtung gesetzt hat.

In ihrem Gründungsvertrag (Art. 130a) setzt sich die Europäische Gemeinschaft die Verringerung des Entwicklungsrückstandes benachteiligter Gebiete, einschließlich ländlicher Gebiete, zum Ziel. Damit sollen der wirtschaftliche und soziale Zusammenhalt gestärkt und eine harmonische Entwicklung der Gemeinschaft als Ganzes gefördert werden. In der aktuellen Diskussion um die Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik ist eine stärkere Einbindung der Landwirtschaft und der GAP in eine integrierte Politik für den ländlichen Raum ein allgemein akzeptierter und zukunftsträchtiger Ansatz. Die angestrebte Osterweiterung der Union verleiht der EU-Strukturpolitik generell und der Politik in der Landentwicklung und Dorferneuerung im besonderen zusätzliches Gewicht.

Das Gebiet der Europäischen Union ist zu etwa vier Fünftel als ländlicher Raum definiert, ein Begriff, der weit über die geographische Bedeutung hinausreicht, der ein breites Spektrum vielfältiger und unterschiedlicher Lebens- und Wirtschaftsräume umfaßt. Prägendes Merkmal der ländlichen Regionen in Europa ist nach wie vor eine vielfältig strukturierte bäuerliche Land- und Forstwirtschaft – als wichtiger Träger der regionalen Beschäftigung und Wertschöpfung, als Nahrungsmittellieferant, als Gestalter der Kulturlandschaft sowie als Quelle der Dorf- und Regionalkultur. In engem Zusammenhang damit stehen die Funktionen des ländlichen Raumes als Freizeit- und Erholungsraum, als Standort für Klein- und Mittelbetriebe des vor- und nachgelagerten Gewerbes bzw. industrieller Art sowie als attraktiver, eigenständiger Lebensraum mit besonderen ökologischen und soziokulturellen Qualitäten.

Bei aller Betonung der Eigenständigkeit der ländlichen Räume kann nicht von einer Beziehungslosigkeit zwischen Stadt und Land die Rede sein. Die Realität wartet mit einem dichten Geflecht aus wechselseitigen Beziehungen und Abhängigkeiten auf, und viele Chancen und Probleme des Landes haben ihre Wurzeln in der Stadt. Ungeachtet der strukturellen Krisen hat sich die ländliche Lebenswirklichkeit in vielen Bereichen der städtischen angenähert. Ein Umstand, der eine Hebung des Stellenwertes des ländlichen Raumes in der Gesamtgesellschaft mit sich gebracht hat.

Zur gleichen Zeit nahmen aber auch die Probleme in den Verdichtungsgebieten zu. Die wachsende Konzentration von Arbeitsplätzen jeglicher Produktions- und Dienstleistungssparten zeitigt nicht nur Positives, denn die Folgekosten für Infrastruktur, Umweltzerstörung und Gesundheitsschädigung fallen der staatlichen bzw. kommunalen Unterhaltungs- und Reparaturpflicht anheim. In der Folge verlieren die Ballungsräume zunehmend den Charakter des Vorbildhaften, während die ländlichen Gebiete eine Aufwertung erfahren: Die überschaubare kleinstädtische und dörfliche Lebenswelt, geprägt durch zwischenmenschliche Beziehungen und Naturnähe, wird als attraktiv empfunden, und ihr traditionelles Sozialgefüge wird als besondere Lebensqualität geschätzt.

Vor diesem Hintergrund und in dem Bewußtsein, daß die wirtschaftliche Aushöhlung der ländlichen Räume dennoch nicht gestoppt wurde, bekennen sich die Europäische Union und die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung zu einem Engagement und zu einer Politik für den ländlichen Raum zum Wohle der gesamten Gesellschaft in einem gemeinsamen Europa.

II. Leitbild des ländlichen Raumes

Die Vorstellungen über ein Idealbild ländlicher Räume bestehen in einer Synthese zwischen der Bewahrung eigenständiger Strukturen und der Entwicklung zu marktorientierten (Land)Wirtschaftsstandorten mit hoher Lebensqualität, dies stets unter Berücksichtigung sozialer und ökologischer Prinzipien sowie unter Wahrung des Aspektes regionaler Identität. Die tragenden Säulen heißen persönliches Engagement und Eigenverantwortlichkeit der Betroffenen. Unverzichtbar erscheint dabei, der Bevölkerung in den ländlichen Räumen und Dörfern realistische Perspektiven zu geben, ihre Bindung an die Heimat zu stärken und so durch Visionen und konkrete Taten eine nachhaltige Verbesserung ihrer Lebensumstände herbeizuführen.

Ganz im Sinne der Subsidiarität ist anstelle von zentral verordneter Gleichförmigkeit die kommunale Selbstverwaltung durch autonome Gemeinden zu unterstützen. Weiters gilt es, regional angepaßte Maßnahmen zu setzen, die eine eigenständige Bewegung der Erneuerung und Wiederbelebung in Gang bringen, sodaß im Endeffekt alle Menschen von dieser Dynamik profitieren können.

III. Maßnahmen zur Erreichung des Idealbildes

Die Entwicklung ländlicher Regionen erfordert einen umfassenden Handlungsansatz, der den miteinander verwobenen Krisen und Problemfeldern gerecht wird und der neue Wege zur Nutzung der Chancen eröffnet.

Dies bedeutet:

– Wirtschafts-, Umwelt-, Agrar-, Kultur- und Sozialpolitik können nicht mehr einfach nebeneinanderher betrieben werden. Sie müssen im Rahmen einer integrierten ländlichen Entwicklung miteinander in Verbindung gebracht werden.

Während in den wirtschaftsstarken Verdichtungsgebieten die Verflechtung zwischen Wirtschafts-entwicklung und den sogenannten „weichen“ Faktoren, wie Wissenschaftsnähe, kulturelle Ausstattung, Imagefragen und soziale Problemlösungen, längst selbstverständliche Realität geworden ist, ist es in der Regionalpolitik für ländliche Räume bislang nicht gelungen, hier eine Zusammenführung und schließlich gemeinsame Förderung organisatorisch zu bewältigen. Wegen der noch immer vorherrschenden sektoralen Denkweise mangelt es nach wie vor an Verbindungen zwischen regionaler Wirtschaft, Kulturlandschaft, Land- und Forstwirtschaft und regionaler kultureller Identität, obwohl gerade in deren Vernetzung ungenutzte Reserven für neue Ein-kommensquellen nicht erst seit heute vermutet werden.

– Politik für die ländlichen Regionen muß deren Verschiedenheit gerecht werden. Sie hat daher dem Subsidiaritätsgedanken in vollem Umfang Rechnung zu tragen und sich daran zu orientieren, daß Vielfalt ein Wert an sich ist.

Die Vielfalt unserer Dörfer und Regionen ist nicht nur aus ästhetischen Überlegungen zu würdigen und weiterzuentwickeln. Vielfalt ist wichtig, um für die mannigfachen Probleme adäquate Lösungen zu finden. Ziel der Politik muß es daher sein, die regionale Vielfalt und bäuerliche Prägung zu erhalten und nicht den Versuch zu unternehmen, die ländlichen Räume den Metropolen und Verdichtungsgebieten anzupassen.

– Moderne Regionalpolitik muß aber auch strategisch vielfältig sein, muß Maßnahmen setzen, die darauf ausgerichtet sind, ländliche Regionen in flächenhafter Gesamtheit und in Themenfeldern weiterzuentwickeln, die von der Wirtschafts- und Infrastrukturförderung in aller Regel nicht oder nur am Rande berührt sind. Ländliche Regionalpolitik ist also mehr als Wirtschafts- und Agrarpolitik. Sie muß schon deshalb auch Kultur- und Sozialpolitik sein, weil die Fundamente für wirtschaftliche Aufbrüche nicht nur aus Autobahnen und Gewerbegebieten bestehen können, sondern auch Bildung, Kultur, Kommunikation, Sozialfürsorge und Ökologie heißen.

Eine integrierte ländliche Entwicklung durch Landentwicklung und Dorferneuerung kann dazu entscheidende Beiträge leisten. Zu dieser großen wirtschafts- und kulturpolitischen Aufgaben zählen vor allem:

1) Förderung einer flächendeckenden bäuerlichen Land- und Forstwirtschaft

Eine intakte soziale Dorfgemeinschaft und eine funktionierende Dorfstruktur sind stark von gesunden wirtschaftlichen Verhältnissen abhängig und zugleich Basis dafür. Dabei ist eine unternehmerisch handelnde und auf breit gestreutem Eigentum basierende Landwirtschaft unverzichtbar.

Die bäuerlichen land- und forstwirtschaftlichen Betriebe sind dank ihrer vielfältigen Funktionen auch in Zukunft unverzichtbarer Bestandteil der ländlichen Räume. Nur mit einer bäuerlichen Landwirtschaft ist die flächendeckende Bewirtschaftung der Kulturlandschaft dauerhaft zu sichern. Demgemäß kann eine integrierte Entwicklung von ländlichen Regionen und Dörfern nur erfolgreich sein, wenn die bäuerliche Landwirtschaft voll miteinbezogen wird. Dabei kommt es darauf an, die landwirtschaftlichen Betriebe für die Konkurrenz auf dem Binnenmarkt zu stärken, zum Nutzen der Bewohner der ländlichen Räume und der gesamten Gesellschaft.

2) Schaffung florierender Wirtschaftsräume in der Region

Landentwicklung und Dorferneuerung berücksichtigen, daß alle Wirtschafts- und Lebensbereiche im ländlichen Raum während der letzten Jahrzehnte einem umfassenden Strukturwandel unterworfen waren. Sie gehen zugleich davon aus, daß auch künftig Veränderungen unvermeidlich sind. Es gilt, die Entwicklung positiv zu gestalten.

Wirtschaftliche Effekte der Landentwicklung und Dorferneuerung bestehen vor allem in einer spürbaren Investitionstätigkeit und positiven Beschäftigungs-effekten, wobei Förderungen in diesem Bereich einen hohen Multiplikatoreffekt auslösen. Gewerbebetriebe, die regionstypische Fertigkeiten pflegen, verdienen dabei ebenso besondere Beachtung wie die Schaffung neuer und die Wiederbelebung stillgelegter Arbeitsplätze in kleinen und mittleren Unternehmen, die unverzichtbare Eckpfeiler der Entwicklung darstellen. Die Möglichkeiten der Telekommunikation werden durch den technologischen Fortschritt und „time-sharing“ von Arbeitsplätzen zunehmend an Bedeutung gewinnen. Dennoch werden Datenhighways umfassende Verkehrskonzepte und notwendige Infrastrukturen nicht zur Gänze ersetzen können.

3) Stärkung bzw. Wiederbelebung der kulturellen und sozialen Identität und des Selbstbewußtseins des Dorfes

In den Dörfern sollen im Bereich der sozialen Infrastruktur jene Einrichtungen einen besonderen Stellenwert und dementsprechende ideelle und finanzielle Förderung bekommen, die als Orte der Begegnung zum Entstehen eines Zusammengehörigkeitsgefühles der im Dorf Lebenden beizutragen vermögen. Dazu zählen Kirchen, Dorfwirtshäuser und Nahversorger ebenso wie Kindergärten, Schulen, Kultur- und Freizeiteinrichtungen, Ärztepraxen oder Telehäuser. Dörfer und ländliche Gemeinden sollen lebenswerte Arbeits- und Lebensräume sein und nicht nur „Schlaforte“ für Pendler.

Den Defiziten im sozio-kulturellen Bereich des dörflichen Zusammenlebens, das sind im wesentlichen die Lethargie und die fehlende Bereitschaft zum Engagement, wirken Landentwicklung und umfassende Dorferneuerung gezielt entgegen. Sie stärken den Willen der Bevölkerung der Regionen, ausgehend von ihren spezifischen räumlichen und wirtschaftlichen Möglichkeiten, ihre Lebensumstände eigenständig zu gestalten, sodaß sich die ländliche Kultur von innen her aus dem geschichtlich Gewachsenen in zeitgemäßer Form entwickeln kann. Land- und Dorfentwicklung heben durch gezielte Förderung der Eigeninitiative und durch „Hilfe zur Selbsthilfe“ dauerhaft die Identitätsbereitschaft der Dorfbewohner mit dem ländlich geprägten Gemeinwesen und bereiten den Weg zu einer eigenständigen Dorfkultur.

4) Entwicklung der Kulturlandschaft unter Berücksichtigung ökologischer Zusammenhänge

Die natürlichen Lebensgrundlagen werden durch die Wirtschafts- und Lebensweise einer modernen Gesellschaft immer mehr beeinträchtigt. Der dramatische Rückgang von Tier- und Pflanzenarten dokumentiert diesen nahezu flächendeckend wirksamen Prozeß auf eindringliche Weise.

Ziel der ländlichen Entwicklung ist es, das ökologische Gleichgewicht in den ländlichen Räumen zu bewahren bzw. wieder herzustellen und diese Räume als Puffer für die Ballungsräume zu erhalten. Ein wichtiger Beitrag dazu ist die Erhaltung und zeitgemäße Nutzung der Kulturlandschaften als „Koppelprodukte“ aus Ökonomie und Agrarkultur. Kulturlandschaften garantieren nicht nur ein unverwechselbares reizvolles Erscheinungsbild, haben nicht nur kulturelle Bedeutung und indentitätsstiftende Funktion, tragen nicht nur zum Artenreichtum bei. Schon um zu vermeiden, daß Landschaftspflege zu einem reinen Transfersystem mit einer unkalkulierbaren Kostenentwicklung wird, soll Kulturlandschaft auch mit flächendeckenden, umweltverträglichen Wirtschaftsformen über ihre Produkte und als Produktionsfaktor selbst einen Beitrag zur regionalen Gesamtentwicklung liefern.

Land- und Dorfentwicklungsmaßnahmen heben das Umweltbewußtsein der Menschen und unterstützen eine ökologisch verträgliche Agrar- und Wirtschaftspolitik. Aktivitäten in Bereichen der Landschaftspflege, des Arten- und Biotopschutzes, der Gewässerreinhaltung und -pflege sowie des Emissions- und Immissionsschutzes sind dabei wesentliche Elemente.

5) Symbiose von alter und neuer Bausubstanz

Die Landbevölkerung hat vielfach urbane Werthaltungen übernommen und damit Stück für Stück der eigenen Kultur eingebüßt, was sich auch im Baugeschehen widerspiegelt. Altes, manchmal Schützenswertes, entspricht nicht mehr den Anforderungen heutiger Familien und neuer Lebensformen an ihre Wohnumgebung und den Anforderungen der modernen Wirtschaft. Neubauten am Ortsrand gekoppelt mit fortschreitender Entleerung der Ortskerne bzw. Verbauung immer seltener werdender ökologischer Nischen innerhalb des Siedlungsraumes sind die Folgen.

Unter Rücksichtnahme auf regionaltypische Baukultur sind neue architektonische Ideen und Konzepte gefordert, um Ortsbilderhaltung, Nutzung alternativer Energiesysteme, sinnvollen Konstruktionen, Einschränkungen des Flächenverbrauches und zeitgemäßen Gestaltungselementen zu harmonischer Koexistenz zu verhelfen. Zentrale Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang Fragen der Raumordnung und Siedlungsentwicklung zu.

6) Dezentrale Energieversorgung mit erneuerbaren Energieträgern

Der fortgesetzte Verbrauch der Ressourcen der Erde führt zu ständig wachsenden Versorgungs- und Umweltproblemen. Folglich ist der Einsatz erneuerbarer Energieträger eine unverzichtbare Alternative zu fossilen. Kreislauforientiertes Handeln bedeutet aber auch die Errichtung und den Betrieb von Biomasse-Heizkraft-werken, die über Kraft-Wärme-Kopplung neben Wärme auch Strom liefern. Darüber hinaus sollte mehr Gewicht auf die Hoffnungsfelder Solar- und Windenergie gelegt werden.

Durch den Anbau von nachwachsenden Rohstoffen ergeben sich neben dem Schutz der Atmosphäre und der Ressourcen auch neue Einkommensmöglichkeiten für die Land- und Forstwirtschaft. Die Versorgung ländlicher Räume durch erneuerbare Energieträger muß daher ein dringendes Anliegen der Entwicklung ländlicher Räume sein, auch weil sie beachtliche Entwicklungs- und Beschäftigungseffekte nicht nur in der Land- und Forstwirtschaft, sondern auch in Unternehmen bewirkt, die sich mit der dazugehörigen Technologie und Fertigung beschäftigen bzw. die entsprechende Dienstleistungen anbieten.

IV. Wege zum Erfolg

Eine erfolgreiche Entwicklung der ländlichen Räume Europas setzt, insbesondere vor dem Hintergrund eines starken wirtschaftlichen Strukturwandels und begrenzter Finanzmittel, auch innovative und kreative Handlungsstrategien, die auf nachhaltige Wirkung ausgerichtet sind, voraus.

1. Der Mensch steht im Mittelpunkt

Der Schlüssel für jede positive Entwicklung liegt im Menschen, in seinen intellektuellen Fähigkeiten, in seiner Bereitschaft, sich zu engagieren und Ver-antwortung zu übernehmen.

Ländliche Entwicklung muß deshalb verstärkt

– den Willen zur Selbsthilfe fördern,

– Planung im Dialog von Betroffenen und Experten – von unten nach oben – erstellen,

– durch intensive Kommunikation und Bürgerbeteiligung Leitbild- und Wertediskussionen auslösen,

– im Rahmen von stetiger Bildungs-, Informations- und Motivationsarbeit das Bewußtsein für die besonderen Probleme des ländlichen Raumes schärfen und innovatives und unternehmerisches Handeln initiieren.

2. Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Die notwendige interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie der ganzheitliche Ansatz der integrierten ländlichen Entwicklung erfordern auch die Überwindung von Fach- und Ressortegoismen sowie sektoraler Denkweise gerade auch auf administrativer Seite. Daneben ist eine Deregulierung der Förderprogramme und -zuständigkeiten anzustreben. Nur so kann durch das Zusammenwirken unterschiedlichster Fachbereiche ein maximaler Erfolg im Sinne eines maximalen Synergieeffektes erzielt werden.

3. Kooperation und Koordination

Partnerschaft und gemeinsames Handeln auf regionaler Ebene sind die notwendigen Strategien für eine erfolgreiche Zukunft. Dazu ist vor allem auch eine entsprechende Kommunikationskultur zu entwickeln. „Kommunale Allianzen“ als Netzwerke auf unterer Ebene entsprechen der Politik der Europäischen Union in besonderer Weise. Zukunftsaufgabe der integrierten ländlichen Entwicklung muß es sein, derartige Kooperationen anzuregen, zu fördern und zu unterstützen.

V. Kooperation zwischen EU und ARGE

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung unterstützt die genannten Maßnahmen zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen in den ländlichen Räumen im wesentlichen durch

o die Intensivierung des Informations- und Erfahrungsaustausches zwischen den an Fragen der Landentwicklung und umfassenden Dorferneuerung interessierten Personen und Institutionen in unbürokratischer Form,

o die Durchführung überregionaler Aktivitäten unter Wahrung der regionalen Eigenverantwortlichkeit sowie

o die Motivation der ländlichen Bevölkerung in Form der Aufwertung der kulturellen Identität des Dorfes und der Dorfbewohner durch eine gezielte Öffentlichkeitsarbeit.

Das Engagement der Europäischen ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung basiert auf der Zielsetzung, die Menschen für die Partizipation an Weichenstellungen für künftige Entwicklungen zu gewinnen. Voraussetzung dafür ist es, ein Klima des Vertrauens in Verantwortungsträger und Politik zu schaffen, das aus der Erfahrung der Bürger wächst, daß ihre Anliegen ernst genommen werden und daß ihr Engagement gewünscht ist.

VI. Gemeinsame Willenserklärung

Die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung vermag mit einem permanenten Erfahrungsaustausch auf informeller Ebene, also einem wechselseitigen Know-How-Transfer, aufzuwarten und verfügt über beste Kontakte nicht nur zu zahlreichen EU-Regionen, sondern auch zu etlichen Reformländern Mittel- und Osteuropas. Ein beachtliches Reservoir der ARGE an höchst kompetenten Experten verschiedenster Fachbereiche – Agrarwissenschafter, Architekten, Ökologen, Regionalentwickler, Pädagogen, Erwachsenenbildner, PR-Spezialisten, Administratoren – garantiert umfassende integrierte Denk- und Handlungsansätze sowie eine nachhaltige Einflußnahme auf Verantwortungsträger und Akteure im Bereich der Landentwicklung. Nicht zuletzt kann die ARGE auch auf eine reiche Veranstaltungstätigkeit innerhalb Europas, auf eine Reihe von Publikationen und damit auf eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit verweisen, die dazu beiträgt, das Verständnis der städtischen Bevölkerung für die Situation ländlicher Gebiete zu verstärken.

So gesehen bietet sich die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung als Drehscheibe zwischen nationalen und internationalen Ebenen an und kann Mittler, Sprachrohr und Multiplikator für alle Themenbereiche gemeinschaftlicher Regional-, Umwelt-, Landentwicklungs- und Agrarpolitik sein. Sie basiert auf dem Prinzip der Subsidiarität, sodaß Vorstellungen der Betroffenen in regional angepaßten, vielfach inter-kommunalen Konzepten Realisierung finden und gleichzeitig eine weitgehende Übereinstimmung über eine integrierte ländliche Entwicklung in Europa erzielt werden kann.

Im wesentlichen verfolgt die Europäische ARGE Landentwicklung und Dorferneuerung exakt jene Ziele hinsichtlich der Entwicklung ländlicher Räume, denen sich die Europäische Gemeinschaft im Sinne ihres Gründungsvertrages und der Richtlinien von 1988 verschrieben hat. Daher wird die Europäische Union die Aktivitäten und das Engagement der ARGE mittels verschiedener Aktionsprogramme, die initiiert wurden, um integrierte ländliche Entwicklung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern, unterstützen. In Verbindung mit einer verstärkten Teilnahme von EU-Politikern und EU-Experten an Veranstaltungen der ARGE soll damit die Basis für einen permanenten Erfahrungsaustausch und eine gedeihliche Zu-sammenarbeit zwischen ARGE und EU geschaffen werden, woraus wertvolle Synergieeffekte für eine positive Entwicklung der ländlichen Räume in Europa erwachsen können.

Unter dem Aspekt breiter internationaler Konsensbildung bei gleichzeitiger Wahrung des regionalen Charakters im Sinne der Subsidiarität bekennen sich die Unterzeichnenden zu einem europaweiten Schulterschluß und verpflichten sich, die Ziele des „Leitbildes für Landentwicklung und Dorferneuerung“ nach besten Kräften umzusetzen und in der politischen Realität zu verankern.




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