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Gedanken im Dezember 2016

Gedanken im Dezember 2016 (editorial)

Die Jahre gehen, und bald ist das „verflixte siebente Jahr“ für das GAILTALNETZ um…

Als Auswandererin besuchte ich Anfang Dezember 2016 wieder einmal meine Heimatstadt Hermagor und staunte über die vielen Veränderungen.

Viele neue Bauten entstehen auf der Martinzen, dem Sonnenhang Hermagors. Der Kindergarten ist nicht mehr. Stattdessen entstanden zwei Wohnblocks an der Auffahrt nach Radnig. Auch an der Hauptschule wird wieder zugebaut, was mich wundert, weil es ja eigentlich weniger Nachwuchs gibt. Aber da bin ich zu wenig informiert.

Der Gösseringgraben meiner Kindheit ist nicht mehr. Ich darf mich mit einem neuen Gösseringgraben vertraut machen, in dem ein E-Werk errichtet sird. Bei jedem Besuch in meiner alten Heimat ist mein erster besorgter Blick dem Gössering-Mühlbach gewidmet, der einmal wenig Wasser führt und manchmal gar keins. Dies erschüttert mich zutiefst, weil das Bächlein ein wichtiges Biotop und ein Stück Hermagorer Kulturerbe ist. Hat man schon verabsäumt, den Gösseringgraben unter Naturschutz zu stellen, so wäre es höchst an der Zeit, sich um die Erhaltung der Gewässer im Ortsbereich zu kümmern.

Mit diesem Thema habe ich mich schon dokumentarisch auseinandergesetzt https://gailtalnetz.wordpress.com/erlebnis-natur-sport/der-muehlbach-in-hermagor-kultur-und-naturjuwel/ und https://giaart.wordpress.com/2016/03/24/tragic-muehlbach/ https://reflexionen.wordpress.com/erzahlungen/natur-musst-weichen/und an weiteren Stellen.

Es tut mir sehr weh, dass anscheinend nur von Interesse ist, dass der Euro rollt. Fürs Straßennetz schient offenbar kein Geld mehr vorhanden zu sein. Auch die Parkplatzsituation am Friedhof ist regelrecht peinlich.

Schwierig ist es auch mit der Kulinarik in der Region. Weit und breit ist mir kein Café bekannt, das in Sonnenlage mit einer Sonnenterrasse und Panoramanablick aufwarten könnte, was gerade in der Winterzeit, in der man nach Sonnenstrahlen giert, sehr fehlt, obwohl es doch jede Menge sonnige Lagen im Tal gäbe. Aber vielleicht ist einem meiner LeseriNnen ein Geheimtipp bekannt…

In Hermagor selbst ist es ausgerechnet das China-Restaubrant, das seit Jahren Beständigkeit, edle Gastlichkeit und beste Qualität bietet. Ansonsten ein Kommen und Gehen und schwankende Leistungen. Unter den Konditoreien ist der ehemalige Kandolf, nun Semmelrock, am Gasserplatz  eine erfreuliche Institution. Ansonsten finde ich, dass es eine enorme Unsitte ist, in Bäckereien, die zusätzlich ein Café führen, Rauchen zuzulassen, weil sich der Rauch unweigerlich auch in Gebäck und Mehlspeisen im Verkaufsraum zieht. Cafés. Diesbezüglich sind Menschen, die gerne unverdorbene Luft einatmen möchten, Opfer einer knieweichen bundesweiten Gesetzgebung.

Überraschend kam ich zu einem Kinderkrampuslauf am Kirchenplatz. Etwas in dieser Art habe ich noch nie gesehen und fand es drollig. Allerdings auch mit ein wenig Wehmut, denn in meiner Kindheit wurde der Brauch von Nikolo und Krampus ganz anders gefeiert und die schaurigen Perchten, die an und für sich Erscheinungen der Raunächte zwischen Weihnacht und Dreikönigsfest sind, sind in unserer Gegend nicht gebräuchlich. Dass nun sogar schon Kinder mit diesen Perchtenköpfen herumtollen, ist an sich ein zusätzlich Tradtionsbruch, aber wer wir so zimperlich sein? Schließlich wurde ja auch verabsäumt, das Christkind sozusagen „unter Naturschutz“ oder „Denkmalschutz“ zu stellen, und still und leise verschwindet es aus der Vorstellungswelt der Kinder und wird vom knalligen Santa Claus aus andere Kulturreisen verdrängt.

Aber auch dies soll uns nicht melancholisch stimmen, wozu auch, wenn die Welt mit weit größeren Umwälzungen konfrontiert ist und die Lage mehr und mehr an die Zwanzigerjahre erinnert? Angesichts der Unstabilität und des weltweiten Dauerzündelns ist es doch völlig wurscht, ob Krampus oder Percht, Christkind oder Santa Claus, nicht wahr?

Wie zwiespältig die Welt ist, erlebt man halt „in der Nuss-Schale“ auch in meiner Heimatstadt Hermagor. Interessen prallen aufeinander, wie ich besonders stark bei meinem Erkundungsgang am 3. Dezember erlebte. In seinem von Alpenverein verlegten Wanderführer beschreibt Dr. Hermann Verderber unter anderem eine Wanderroute von Hermagor aus zur Ruine Malenthein mit Rückweg über Kühwegboden. Ich war dankbar für den Wanderführer, denn duch die Umgestaltung des Ortes war ich mir nicht sicher, ob ich diesen Wanderweg, der mir aus der Kindheit vertraut ist, noch finden kann.

Fakt ist, dass ich trotz der Schilderungen des versierten Wanderers scheiterte. Bei dem „Ersatzkapelle“ für eine abgerissene Kapelle, vis-à-vis von der neuen Volksschule begann zwar sehr wohl noch ein Weg, der in Richtung Anna-Kapelle und Ruine Malenthein anstieg. Aber nach wenigen Meter war es aus und vorbei. Traktorspuren machten ein gutes Gehen unmöglich, aber es kam noch ärger. Quer über den Weg war Gestrüpp, waren Sträucher umgelegt und schließlich stand ich vor einem völlig verwilderten Gebiet. Keine Spur von Weg.

Doch meine Erinnerung und Oirentierung hatte ich ja und kämpfte mich durch ein sehr steiles und sehr verwildertes Waldbgebiet nach oben, bis ich auf einer Lichtung stand, an der seinerzeit ein Weglein entlang lief. Nun musste man die Wiese queren und kam auf Weggabelungen und Forstwege, jedenfalls alles ein bisserl anders, aber dank Dr. Verderbers Hinweisen konnte ich auch die Abbiegung zu einem letzten steileren Stückchen finden und hatte schließlich die Kapelle und die ehrwürdige alte Linde vor mir, die unter Naturschutz steht. Ein zauberhaftes Plätzchen. Der Rückweg vollzog sich ähnlich abenteuerlich.

Ich fragte mich, wie es wohl anderen Menschen ergeht, die sich nach diesem Wanderführer orientieren. Auch wunderte ich mich über diese Diskrepanz. Da kennt jemand noch ein wunderbares Naherholungsbeiet mit einem romantischen Wanderziel und ich behaupte auch keck, es ist ein Kraftplatz. Aber es geschieht offensichtlich alles, dass man nicht mehr hinfindet. Beziehungsweise schert sich niemand um den Weg.

Ich habe erfahren, dass die Großgrundbesitzerin und Industrielle, der diese Kapelle gehört, ab und zu schöne katholische Andachten bei dieser Kapelle veranstaltet. Dann wird zu dieser Kapelle gewundert, vermutlich über das Privatgrundstück, dessen Betreten ansonsten durch ein entsprechendes Verbotsschild verwehrt ist.

Da denke ich an viele andere Orte, die stolz auf solche besonderen Plätze sind und alles daran setzen, sie zugänglich zu machen. Hermagor aber ist anders. Der Gösseringgraben, ein Naturjuwel, wurde Jahrzehnte vernachlässigt und wird nun zum „Betriebsgrundstück“, dem viel malerische Flora weichen muß.

An sich ist es gut, dass regional Wasserkraft genutzt wird, viel besser als andere Formen der Energiegewinnung. Es ist nur zu hoffen, dass dies nun in respektvollem Umgang mit der Natur geschieht.

Mein größter Weihnachtswunsch ist jedenfalls, dass der Mühlbach wieder so fließen darf und dahinrauscht wie  viele, viele Jahrzehnte bisher. Hermagor verliert das letzte Stückchen Seele, wenn dieses Bächlein nicht mehr sein darf.

Ob jemals jemand meine Worte liest, versteht?  Es war mir jedenfalls ein Bedürfnis, mich zu äußern und nicht einfach hinzunehmen, was geschieht.

An und für sich sollte es in einer Gemeinde viele engagierte BewohnerInnen geben, die sich mit der Ortsbildgestaltung und mit der Erhaltung der Natur auseinandersetzen und nicht einfach alles über ihre Köpfe hinweg geschehen lassen…

Allen ein gutes Weihnachtsfest und ein glückliche neues Jahr 2017!

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