7 Jahre GAILTALNETZ – KULTURDATENBANK

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Heimo Zobernig

Diese Eintragung erfolgt vorläufig aufgrund einer Initiative von Frau Inge Lasser, Hermagor, die uns diesen Text übermittelte, und vorbehaltlich eines definitiven OKs des Künstlers.

Heimo ZOBERNIG aus Kötschach-Mauthen – Kulturpreisträger

1958 Mauthen/A – Wien/A

Heimo Zobernig wurde 1958 in Mauthen, Kärnten, Österreich geboren, und studierte von 1977 bis 1980 an der Akademie der bildenden Künste, von 1980 bis 1983 an der Hochschule für angewandte Kunst, Wien. Nach Professuren in der Städelschule Frankfurt a. M. (1999), lehrt er seit 2000 an der Akademie der bildenden Künste, Wien. 1993 erhielt er den Otto Mauer Preis, 1997 den Preis für Bildende Kunst der Stadt Wien. Heimo Zobernig blickt auf eine Vielzahl internationaler Ausstellungen zurück, u. a. die Documenta 9 und X in Kassel sowie zuletzt die „mid-career-survey“ 2002 am Museum Moderner Kunst, Wien, die auch an der Kunsthalle Basel und am K21 in Düsseldorf zu sehen war. Er lebt in Wien.

Zobernig begann in den späten 1970er Jahren als Bühnenbildner und trat in Performances auf. Mitte der 1980er Jahre malte er abstrakt und untersuchte geometrische Mechanismen hinsichtlich ihrer Interpretation. Die Auseinandersetzung mit Farben und überlieferten Systemen führte ihn zur Entwicklung einer eigenen Farbenlehre. Zobernig setzt sich kritisch mit tradierten Regelsystemen auseinander, insbesondere mit den Rahmenbedingungen von Kunst. In Anlehnung an die Minimal Art der 1960er Jahre zeigen seine Werke eine klare, reduzierte Formensprache, wobei er ihren typischen Perfektionismus gezielt unterwandert. Er bevorzugt Industriematerialien, wie Pressspan und Farben von handelsüblicher Baumarktqualität in unsentimentaler, ästhetisch unprätentiöser Ökonomie. Viele seiner Skulpturen evozieren deren Benutzung. Heimo Zobernig verbindet mit der Generali Foundation eine Reihe von Projekten. In einer Ausstellung im ehemaligen Büro- und Ausstellungsraum 1991 konfrontierte er die BesucherInnen mit Skulpturen in Form von Stehtischen, jede Platte in einer anderen Farbe bemalt. Das grüne Netz an der Fassade des im Bau befindlichen neuen Ausstellungshauses bemalte er von Hand mit dem Logo der Generali Foundation, wobei er dieses regelwidrig, invers und den Ausmaßen der Fassade entsprechend wiedergab. Anlässlich der Eröffnung des neuen Hauses gestaltete er ein Plakat, auf dem er wiederum das Logo raumfüllend platzierte, dieses Mal so, dass die einzelnen Vierfarbendrucke nicht übereinstimmten. Für das Lokal im ehemaligen Hutgeschäft Habig gestaltete er Tische mit Spiegeln. (Doris Leutgeb) Zu den Videos In seinen Videos holt Zobernig die Realität selbst ins Bild. Orte, die das Video erschafft, interpretiert er als künstlerische Ordnungssysteme. Regie wird durch statische, einfache Anordnungen, sich stereotyp wiederholen-de Handlungen, reduzierte Kameraschwenks und die überwiegende Einheit von Zeit und Ort auf ein Minimum herabgesetzt. Zobernig beginnt Anfang der achtziger Jahre autobiografisch mit Filmportraits seiner Eltern, Rosa und Viktor. 1981 filmt er seine Mutter statisch im Sitzen, während sie nach seinen Vorgaben gestikuliert und laut ausgewählte Satzfragmente spricht. Die Differenz der inhaltlichen Sphäre der Sprachform zur Darstellung wird auch in den Videos 38 (1992) und eS SCH EIS es (1993) offen gelegt, in denen jeweils musikalische Anspielun-gen auf Bach erfolgen, der eine Fuge aus den Buchstaben seines Namens schrieb. Der Kontakt zur alltäglichen Erfahrung wird bei Zobernig oft im einzig vorgefassten Standpunkt der Kamera als Wahrheit präsentiert: Seinen Vater zeigt er unterwegs in der Natur, Autobiografisches erzählend. Der 1995 geborene Sohn Viktor wird schrei-end gefilmt. 1981 entsteht de nada. Es gilt als das erste Video, das der Künstler gelten ließ. Die Kamera ist aus einem Fenster in Teneriffa gerichtet, hinterfragt den klassischen Bildausschnitt, den die Fensteröffnung als Bild der Welt vorgibt, und wird von Schwenks zu genrehaften Szenen im Hausinneren unterbrochen. Videos von Mu-sikperformances in Wien Anfang der neunziger Jahre wirken dagegen dokumentarisch. Dennoch erweist sich jede szenische Äußerung als Kommunikation mit dem Betrachter im Hinblick auf künstlerische Autorschaft und inhaltliche Bewertung ambivalent vorgeführt. Mit Sonnenbrille und blonder Langhaarperücke (Videos 1-4, 1989), verkleidet oder nackt (Video Nr. 12, 1996) spielt er das Spannungsfeld zwischen Verdecken und schonungslos Offenlegen am eigenen Körper durch. Mit Hilfe der Technik des Keying (auch ”Blue- Box-Technik”) werden zu-sätzliche Ebenen aus- und eingeblendet. In jedem Fall inszeniert Zobernig den Blick durch die elementare Prä-senz des Gezeigten zugunsten einer Verdichtung. Gleichrangig in seinem künstlerischen Schaffen zeigen sich die visuell wahrnehmbaren Eigenschaften des bewegten Bildes als Idee einer an das Auge adressierten Kunst reflektiert, wobei sich die Botschaft möglicher Inhalte auf dem Prüfstand befindet. Zobernig vermittelt auch in seinen Videos keine dahinter liegende Wahrheit, sondern maskiert jenseits von Symbolismus Konstruktionen, mit denen er spielt. Insofern bekräftigen die Videowerke sein Bekenntnis gegen die Konventionen der visuellen Sprachlichkeit von Kunst. (DL)

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