7 Jahre GAILTALNETZ – KULTURDATENBANK

Gailtaler, Gitschtaler und Lesachtaler Kunst & Kultur – Unser Kultur-Informationsservice, das Portal Gailtalnetz, wurde im Februar 2010 gegründet – seit März 2012 auch auf Facebook http://www.facebook.com/GailtalnetzKulturInformationsservice

Die Paradieslilie

http://www.wasserwald.at/mussen-blumenberg-paradieslilie-karnten/295206l/

„Zwei interessante Bücher – wenn auch etwas anstrengend zu lesen, muss ich zugeben – gibt’s beim Tourismusbüro in Kötschach. Einerseits “Paradieslilie und Höllenotter – Bergwiesenlandschaft Mussen” vom Amt der Kärntner Landesregierung und andererseits “Bergblumen auf der Mussen” von Eitel-Friedrich Scholz…

Der Mussenstock ist erreichbar:

von Kötschach aus – dazu fährt man mit dem Auto bis zur Ödenhütte und geht über die Röten auf die Mussen

vom Lesachtal aus – dabei kann man auch im Gasthof Löwen in St. Jakob einen Schlüssel für den Schranken holen, und damit das Wegerecht erwerben, um noch etwas weiter hinaufzufahren. Das ist also eindeutig der Weg, für all diejenigen, die nicht ganz so lange gehen wollen.

…Mehr als 500 Pflanzenarten gedeihen auf der Mussen, davon über 280 sogenannte höhere Pflanzen, mit der “botanischen Königin, der Paradieslilie. Diese überaus vielseitige, mannigfaltige und auch mit seltenen Arten ausgeprägte Flora ist auf das Zusammenwirken etlicher günstiger Faktoren zurückzuführen. Zum einen liegt der Mussenstock genau gegenüber dem Einschnitt des Plöckenpasses. Somit konnten südliche “Flora- und Faunaelemente” (heißt Tiere und Pflanzen) ungehindert nach Norgen “einwandern”. Dazu kommen einige klimatische Faktoren wie z.B. die Exposition, der Licht- und Temperaturfaktor, die Windrichtung, Schneebedeckung, Dauer der Aperzeit (in der kein Schnee liegt) etc.“

http://www.oeav-obergailtal.at/index.php?option=com_content&view=article&id=138:lilien&catid=51:pflanzenportraets&Itemid=127

Lilien  „Auf der Mussen“

Wer Ende Juni die weiten Flächen der Rasenmatten in der voralpinen Stufe „Auf der Mussen“, des Blumenberges Kärntens, erreicht, dem bietet sich der seltene, ja, unbeschreiblich schöne Anblick der auffallenden Weißen Trichter- oder Paradieslilien. Diese überziehen die Fettwiesen und auch die Magerrasen förmlich mit einem weißen Schleier, ähnlich wie die berühmten Narzissen auf der Golitza in den Karawanken.

Ein Pflanzenportrait von Eitel-Friedrich Scholz

Solch einen Anblick kann man in Kärnten heute nur noch „Auf der Mussen“, auf der Mauthner Alm ob Kötschach-Mauthen und in den umliegenden Karnischen Bergen genießen, denn diese seltene, zu den bodenständigen Elementen der südeuropäischen Gebirge zählende Lilie ist in Kärnten nur auf diese Gebiete beschränkt. Von der Trichterlilie sind auch keine weiteren Arten bekannt. Die 30-50 cm hohe Pflanze fällt durch ihre leuchtend weißen Perigonblätter mit den 3 sich an der Spitze vereinigenden Nerven auf. Die Weiße Trichterlilie blüht im Juni bis Juli vor allem auf Goldhaferwiesen und im Buntschwingelrasen der obermontanen bis subalpinen Höhenstufe. „Auf der Mussen“ wachsen noch zwei weitere Lilienarten (im engsten Sinne): die Feuerlilie und die Türkenbundlilie. Der Name Lilie ist auf das Wort „leirion“, vermutlich persischen Ursprungs, auf das griechische „leiros“ = glatt, zart oder auf die keltische Bezeichnung „li“ = weiß – bezogen auf die Oberfläche und Farbe der BIütenblätter – zurückzuführen. Bereits 1753 hatte der berühmte schwedische Naturforscher Carl von Linne` die Trichterlilie Hemerocallis liliastrum = der Lilie ähnlich und 1762 Anthericum liliastrum genannt. Im Jahre 1811 wurde diese Lilie mit den großen trichterförmigen BIüten, die in einer wenigblütigen, einseitigen, lockeren Traube angeordnet sind, auch von dem italienischen Botaniker Giovanni Mazzucato entdeckt. Nach seinem Gönner, dem italienischen Grafen Giovanni Paradisi (1760 bis 1826), der die botanischen Arbeiten sehr unterstützte, gab er der Pflanze den auch heute noch gültigen Namen Paradisea liliastrum = Paradieslilie. In der angrenzenden Friaul wird sie „Lili-di-san-Zua’n“ = Lilie des heiligen Johannes genannt.

Die Paradieslilie bewohnt süd- und westalpine Bergmähder, Hochstaudenfluren und Grünerlengebüsche bis etwa 2000 m Seehöhe. In der Schweiz kann man sie auf tiefgründigen Böden sogar noch in einer Höhe von bis zu 2500 m finden. Die Pflanze ist zerstreut von den Gebirgen der Iberischen Halbinsel über die Pyrenäen bis in die Südalpen (Krain) verbreitet. Ein Vorkommen ist auch aus den Abruzzen in Italien bekannt. Die Heimat der meisten Liliengewächse ist jedoch der Mittelmeerraum und Nordafrika.


Weiße Lilien Symbol der Würde und der Freiheit

Vor allem die weißen Lilien: die Madonnenlilie, die Königslilie und die Paradieslilie haben die Menschen seit Alters her in ihren Bann gezogen. Bereits in den ältesten Sagen der Menschheit wird die Lilie erwähnt. Es ist überliefert, daß alle Völkerschaften des Altertums Lilien als ganz besondere, geheimnisvolle, mythenumwobene Pflanzen schätzten. Eine der frühesten und schönsten Liliendarstellungen stammt von den alten Assyrern, die auch durch ihre „Hängenden Gärten“ berühmt wurden. Im 7. Jhdt. v. Chr. erhielt bei ihnen die Kunst der Einzelabbildung einen realistischen Zug. Man stellte Blumen in höchster Naturtreue dar, wie es an einem Relief an dem Nordpalast von Kajundschik zu erkennen ist. Darauf ist eine Lilie, teils in Knospen, teils voll erblüht auf ihrem schlanken Stengel aufwachsend, in Stein gehauen. Auf den Denkmälern der Pharaonen stellte die Lilie das Sinnbild für Würde und Freiheit dar, im alten vorchristlichen Israel schmückte sie Altäre und die Stirn der Könige. Christus selbst setzte ihre schlichte Schönheit über alle Pracht und Herrlichkeit König Salomos. Die Hauptstadt des alten Persiens wurde Susa = Lilienstadt genannt. Bereits in der berühmten Ilias wird die Lilie erwähnt: „Hektor will des Ajax <wie Lilien> zarte Haut durchlöchern“. Die alten Griechen, welche die Lilien besonders verehrten, meinten, daß Lilien unmittelbar von ihrer Götterkönigin Juno abstamme. Eine alte Göttersage berichtet:

„Zeus, der Göttervater, wollte seinem, ihm von Alkmene geschenkten Sohn Hercules die Unsterblichkeit verleihen. Er legte ihn deshalb heimlich an die Brust der schlafenden Juno. Diese aber erwachte und schleuderte den Knaben von sich, so daß einige Tropfen ihrer Milch zur Erde fielen. Aus diesen Milchtropfen entstanden – dieser alten Sage nach – die weißen Lilien.“

Nach einer altgermanischen Mythe trug Thor, der Donnergott, in der rechten Hand Donner und Blitz, in der linken ein Lilienszepter. Die alten Römer stanzten Lilien mit der Umschrift „spes populi“ = Hoffnung des Volkes sogar in ihre Münzen zu Ehren der Tronfolger. Der Gote Isidorus Hispalensis (570-636), Bischof von Sevilla, der am Anfang aller mittelalterlichen Naturforscher steht und der Abt von Fulda Hrabanus Maurus (784-856), der als erster Deutscher zur Feder griff und naturwissenschaftliche Handschriften anfertigte, schrieben über die Weiße Lilie:

„Die Lilie ist ein Kraut mit milchweißer BIüte, wonach sie benannt ist, als gewissermaßen liclia (von lac, die Milch). Eine Art Gold blitzt im Innern der BIüte auf, während das blendende Weiß in den Biütenblättern sitzt.

Weiße Lilien Symbol des Christentums

Überall in der alten Welt galten die weißen Lilien, vermutlich Vorläufer unserer heutigen Lilien, vor allem die Madonnenlilie (Lilium candidum), auch Weiße Gilge genannt, als Symbol der Reinheit und Unschuld, des Stolzes und der Vornehmheit. In einem Gedicht von Arnim heißt es:

„Hohe Lilie, hohe Lilie!

Keine ist so stolz wie du,

In der stillen, milden Ruh.

Hohe Lilie, hohe Lilie,

Ach wie gern seh ich dir zu.“

Und Chr. Schmidt dichtete:

„Schöne Silberblüte…

Bild der reinsten Güte,

Bild der Unschuld seh’

Ich in deiner BIüte

Blendend weißen Schnee.

Möchte meine Seele

Fleckenlos und rein,

Frei von jedem Fehle

Ganz dir ähnlich sein.“

Als Symbol der Reinheit und Unschuld wurde die Lilie auch in das Christentum übernommen. Die Bekenner zum Christentum trugen damals Lilienkränze. In einigen Landschaften Europas bekränzt man heute noch an hohen kirchlichen Feiertagen die Marienbilder mit Lilien, ja, man feiert sogar Lilienfeste. Viele Heilige und auch die Kirchenväter trugen Lilien als Zeichen ihrer Würde. In christlichen Legenden wird davon berichtet, daß Erzengel Gabriel, als er Maria begrüßte, um ihr die Geburt des Heilands zu verkünden, in seiner Hand eine weiße Lilie hielt. Es gibt wohl kaum einen Maler früherer Jahrhunderte, der auf einer „Verkündigung“ den Engel nicht mit einer Lilie in der Hand dargestellt hätte. Im ganzen Mittelalter war die weiße Lilie das wichtigste Symbol für Jesus Christus und seine jungfräuliche Mutter Maria. Die schwedische Dichterin Selma Lagerlöff zeichnet in einer ihrer berühmten Christuslegenden das Bild, wie der Jesusknabe durch ein Feld weißer Lilien schreitet und wie sich diese vor ihm verneigen.

Hrabanus Maurus schrieb in seinem großen Werk „De universo“ oder wie es in alten Handschriften auch genannt wurde „De rerum naturis“ über die Lilie (Lilium album):

Die Lilie bedeutet Christus, welcher im hohen Liede sagt: „lch bin eine Blume des Feldes und eine Lilie der Täler“ (Cant. II) und ebenso „um zu weiden in dem Garten und Lilien zu sammeln“ (Cant VI), als wenn er sagen wollte: ich bin eine Zierde der Erde und ein Ruhm der Niedrigen; er, der von seiner Braut so sagt: „so wie die Lilie unter Dornen, so ist meine Freundin unter den Mädchen“ (Cant I), weil der Schnee ihrer Keuschheit durch Trübsale erprobt wird, und größere Frucht bringt das Leben in der Öffentlichkeit als die Zurückgezogenheit. Es kann aber auch unter Lilie die Jungfräulichkeit verstanden werden, weil die jungfräuliche Reinheit höher steht als alle anderen Tugenden, wie in der Apokalypse gezeigt wird.

Weiße Lilien – Symbol des Todes

In einigen Ländern bedeutete eine weiße Lilie auch das Symbol des Todes und der Auferstehung. Es wird erzählt, daß weiße Lilien aus den Gräbern unschuldig Verurteilter und unglücklich Liebender hervor sprießen. In einem alten deutschen Volkslied singt man:  „Drei Lilien, drei Lilien, die pflanzt ich auf mein Grab.

Da kam ein stolzer Reitersmann und brach sie ab.

Ach Reitersmann, ach Reitersmann, laß doch die Lilie stehn,

Sie soll ja mein fein Liebster noch einmal sehn.

Der Märchenerzähler Grimm erzählt, daß, wenn einer der Mönche im Kloster Corvay an der Weser sterben sollte, er drei Tage vor seinem Tode eine weiße Lilie in seinem Chorstuhl fand. In einigen Gegenden Griechenlands, so in Attika, ist es heute noch üblich, Lilien auf die Gräber der Verstorbenen zu streuen. Im Mittelalter glaubte man auch, daß die Seele des Menschen die Gestalt einer Lilie habe, und daß man durch das Abbrechen dieser Pflanze den Tod eines Menschen verursache. Man bildete sich aber auch ein, daß die „wurz’n von wiß gilgen“ – unter bestimmten Zeichen gesammelt – am Körper getragen, Freundschaft und Liebe erwecken.

Weiße Lilien Symbol weltlicher Macht

Die weiße Lilie blieb aber nicht allein christliches Symbol, sie wurde auch von weltlichen Institutionen annektiert. Das alte französische Wappen bis hin zu den Bourbonen besteht aus drei goldenen Lilien auf blauem Felde. Über die Entstehung dieses Wappens berichten die Chronisten:

„Als die Franken in der Schlacht bei Zülpich den Alemannen weichen mußten, schwur König Chlodwig, Christ zu werden, wenn Gott ihm den Sieg schenke. Ein Engel erschien ihm und überreichte ihm daraufhin als glückbringendes Zeichen einen Zweig der weißen Lilie. Die Alemannen wurden geschlagen, Chlodwig nahm die Lilien in sein Wappen auf.

Von einer Lilie im Wappen des alten Herzogtums Preußen berichtet ebenfalls eine Sage:

„Ein bettelarmer Mann fand einst in der Frühe des Ostermorgens eine weiße Jungfrau am Bache sich waschend. Sie forderte ihn auf, ihr auf die alte Burg zu folgen. Dort schenkte sie ihm eine weiße Lilie. Wieder in seiner ärmlichen Hütte angekommen, stellte er erstaunt fest, daß sich die Lilie in pures Gold verwandelt hatte. Der Mann brachte sie seinem Herzog, der sie ihm in Goldtaler umtauschte und die Lilie dann in sein Wappen aufnahm.“

Auch in den Wappen vieler Adelsgeschlechter Europas und auch Kärntens findet sich die stilisierte Lilie als heraldisches Symbol, so z.B. im alten Wappen des „Ertzherzogthumbs Khärndten“, der „Grafen von Görtz, Pfalzgrafen in Khärndten “ , derer von Thanhausen „, derer „Von Weichsner“, der „Freyherrn von Orschenpeck“, des Geschlechts derer „Mägerl von und zu Dornhofen“, derer „Peutscher zu Leonstein“ u.a.

Farbige Lilien Kärntens

Außer der seltenen, vollkommen geschützten Weißen Trichterlilie gibt es in Kärnten weitere, streng naturgeschützte Lilienarten: die Feuerlilie, die Türkenbundlilie und die ebenfalls sehr seltene Krainer Lilie.

Die Feuerlilie (Lilium bulbiferum), Wilde Gilgen, Donnerblume, mit ihren leuchtend feuerroten, innen warzig – rauhen, gefleckten Trichterblüten wächst im Mai bis Juli in warmen Tälern, auf Bergsturzhalden und sonnigen Bergwiesen, an Waldrändern und auch an Felsabhängen. In Tirol glaubte man einst, daß sie aus dem Blitz entstanden sei und nannte sie deshalb Donnerlilie. Auch um die Feuerlilie rankt sich so manche volkstümliche Mär: In manchen Gegenden wurden die kleinen in den Blattachseln der Pflanze wachsenden Brutzwiebelchen (Bulbillen) brütenden Hennen untergeschoben, „damit die Eier glücklich auskommen“ – das Ausbrüten erfolgreich ist. Man meinte auch: „Wer solche Brutzwiebelchen bei sich trägt, der erwürbe die Liebe des anderen Geschlechts.“ Auch sonst wurde diese leuchtend-schöne Lilie schon in frühen Zeiten „vermarktet“: sie lieferte einen angeblich guten Kaffee-Ersatz, aus den BIüten stellte man eine schöne, orangerote Malerfarbe her, der Saft wurde als Schönheitselexier, u.a. auch als Mittel gegen Sommersprossen gebraucht.

Die Türkenbundlilie (Lilium martagon), Martagonlilie, Goldlilgen, die nach der Form der BIüten mit ihren aufgerollten Perigonblättern an einen türkischen Turban erinnert, wächst vor allem auf Kalkgestein, auf Bergwiesen bis ca 2500 m. Der Name

martagon ist entstanden aus Mars = Kriegsgott und griech. agon = Kampf; die Zwiebel galt für den, der sie bei sich trug, als siegbringend. Einer alten griechischen Sage nach war Götterkönigin Juno eifersüchtig, weil ihr Gemahl aus seinem Kopfe die Minerva geboren hatte. Um sich zu rächen, roch sie auf Floras Rat an der „Marslilie“ und gebar darauf hin den Kriegsgott. Die Zwiebel der Pflanze trägt goldgelbe Schuppenblätter. Alchimisten nannten sie deshalb auch Goldwurz, auch Goldafel und versuchten, mit ihrer Hilfe Metalle in Gold umzuwandeln. Der dadurch sehr bekannt gewordene Türkenbund wurde seit dieser Zeit auch in vielen Gärten als Zierpflanze gezogen. In der Schweiz hängte man die BIüten der „Goldwörza“ in den Gehöften zur Abwehr von Krankheiten und bösem Zauber auf. Die Lilienzwiebeln, die in einigen Gegenden auch als Delikatesse verspeist wurden, sollten auch eine antidämonische Kraft haben, dem Träger derselben die Furcht austreiben und ihn vor dem Teufel bewahren.

Die Krainer Lilie (Lilium carniolicum) ist ebenfalls eine sehr seltene, stark gefährdete und daher vollkommen geschützte Lilie Kärntens. Ihr Verbreitungsgebiet befindet sich vor allem in den Karawanken, kleinere Vorkommen gibt es auch auf dem Dobratsch bei Villach.

Lilien – alte Volks-Heilpflanzen

Lilien zählen nicht nur zu den ersten

von der Menschheit gezüchteten Zierpflanzen überhaupt, sie wurden auch als Heilpflanzen bereits sehr früh wichtiger Bestandteil der vormittelalterlichen Klosteranlagen. Benediktinermönche, zu deren Ordenspflichten die Urbarmachung des Landes und der Gartenbau gehörten, brachten aus ihrem Stammkloster Monte Cassino viele südländische, der Mittelmeerflora zugehörige heilkräftige Pflanzen über die Alpen mit nach Österreich und Deutschland. Zu ihnen gehörte auch die Weiße Lilie, vermutlich Lilium candidum. Karl der Große (Carolus magnus, 768 – 814) veranlaßte die Mönche seines Reiches, sich intensiv mit der Heilkunst und dem Heilpflanzenanbau zu befassen. In seiner berühmten Verordnung über die kaiserlichen Güter oder Höfe = Capitulare C. M. de villis vel curtis imperialibus heißt es: „Wir (C. M.) wollen, daß sie im herbularius (Kräutergarten) alle Kräuter haben, nämlich Lilien, Rosen, Hornklee, Frauenmünze costum …

Lilien spielten bei der Heilung von Krankheiten vor allem im Mittelalter eine bedeutende Rolle. Übernatürlich wie die Ursache der Leiden – so nahm man damals an – sollten auch die Maßnahmen sein, die zu ihrer Austreibung und Heilung getroffen werden mußten. Zunächst versuchte man, die „Krankheitsdämonen“ durch Beschwörungen, Zauberhandlungen und Opfer zu vertreiben. Später suchte man durch Gebete, Weihegaben und sogenannte Segen Gott zu bestimmen, die Strafe wieder zurückzunehmen, die Krankheit zu heilen. So dienten zur Besprechung von Schmerzen und Blutungen die „Drei Blumen-Segen“. Sie sind vor allem aus dem alten Königreich Sachsen, aus dem Erzgebirge und dem Vogtland überliefert. Diese Segenssprüche enthalten eine Reihe volkstümlicher Elemente und Beschwörungen. Der jeweils erste Versteil eines solchen „Drei Blumen- Segens“ enthält in einer formelhaften Einleitung die Namen, Eigenschaften oder den Standort der Blumen. Im letzten Versteil wird dann die Anwendung der Blumen auf den jeweiligen Krankheitsfall angeführt. Außer der Lilie zählen zu den drei Blumen die Rose und das Rosmarei (Rosmarien). Zur Besprechung einer Blutung hielt man die rechte Hand über die Wunde und sprach einen dieser Segenssprüche:

„Drei Blumen stehn in dem Himmel:

Die erste heißt Wehmut,

Die zweite Demut,

Die dritte Gottes Wille,

Blut stehe stille!

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.

„Es wachsen drei Lilien auf Christi Grab:

Die erste ist Gottes Mut, Die zweite ist Gottes Blut,

Die dritte ist Gottes Wille.

Blut, ich sage dir, stehe stille!

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.

„Auf Christi Grab, da stehen drei Lilien.

Die erste heißt Gottheit,

Die zweite ist Gerechtigkeit,

Die dritte ist dein eigner Wille,

Daß dein Schmerz, dein Blut steht stille.

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes.“

Aus den Lilien, vor allem ihren Zwiebeln, wurden damals viele Volks- Arzneimittel hergestellt. Man meinte, Lilienzwiebeln mit Fett (Schmalz) zu einem Brei zerdrückt, könnten Flechten, Geschwüre und Aussatz heilen. Das über die weißen Lilien-BIütenblätter gegossene Öl war damals ein bewährtes Hausmittel bei Brandwunden. Das sogenannte „eau de lys“= Lilienwasser galt als das beste Wasch- und Schönheitsmittel, um dem menschlichen Antlitz Zartheit und Jugendfrische zu verleihen. Auch die Türkenbundlilien waren damals begehrte Heilpflanzen. Leonhard Fuchs, der Vater der Botanik und Medizin, berichtet um 1570 über „Krafft und Würckung“ des Türkenbundes „bey geschwer un wunden, rauden, schwindsucht…“. Der Kirchenvater Albertus Magnus empfahl den Saft der Zwiebel gegen Nierenschmerzen, Besessenheit, die in einen Lappen gewickelte Zwiebel als Amulett um den Hals gehängt, zahnenden Kindern gegen Schmerzen.  Die „Leuchtenden Lilien“ des Walahfrid Strabo Die wohl früheste und zugleich schönste Beschreibung der heilenden Wirkung der Lilien hat uns der Benediktiner-Abt des Klosters Reichenau am Bodensee Walahfrid (Walafridus) Strabo (809 – 849 n. Chr.) in seinem berühmten Lehrgedicht über Gartenbau und die Heilpflanzen (De cultura hortorum, 842 n. Chr.) – ein Meisterwerk der frühen mittellateinischen Dichtung – geschenkt:

„Leuchtende Lilien, wie soll im Vers, und wie soll im Liede

Würdig euch preisen die dürftige Kunst meiner nüchternen Muse?

Euer schimmerndes Weiß ist Widerschein schneeigen Glanzes,

Holder Geruch der BIüte gemahnt an die Wälder von Saba.

Nicht übertrifft an Weiße der parische Marmor die Lilie,

Nicht an Düften die Narde. Und wenn die tückische Schlange

Listiger Art gesammeltes Gift aus verderblichem Munde

Spritzt und grausam Tod durch kaum erkennbare Wunde

Sendet ins innerste Herz, dann zerreibe Lilien im Mörser

Trinke den Saft, dies erweist sich als nützlich, mit schwerem Falerner.

Oder bei Quetschungen lege man sie auf die bläuliche Stelle,

Alsbald wird man auch hier zu erkennen vermögen die Kräfte,

Die diesem heilenden Stoffe gegeben sind, Wunder bewirkend.

Schließlich ist Liliensaft auch gut bei Verrenkung der Glieder….

In diesem Lehrgedicht besingt Walahfrid Strabo nicht nur die heilbringende Weiße Lilie sondern auch die Kräfte von 22 weiteren Heilpflanze.n. Darunter befiden sich 18 Arten, die schon im „Capitulare“ Karls des Großen angegeben sind und fünf weitere Pflanzen, die schon Plinius Caius Secundus (23 bis 79 n. Chr.) in seiner 37-bändigen Naturgeschichte „Naturalis historia“ viel früher beschrieb.

Bibliographie:

Adler, Oswald, Fischer, Exkursionsflora von Österreich, 1994

Heeger, Handbuch des Arznei- und Gewürzpflanzenbaues, 1989

Fischer, Mittelalterliche Pflanzenkunde, 1929

Kohlhaupt, Alpenblumen, 1967

Megisserii, Annales Carinthiae, 1612

Pieper, Volksbotanik, t 897

Scopoli, Flora carniolica, 1772

Seyfarth, Aberglaube und Zauberei in der Volks-

Medizin Sachsens, 1913

Stoffler, „Der Hortulus des Walahfrid Strabo…“,1986

Verfasser:

Eitel-Friedrich Scholz

St. Daniel Nr. 18

A 9635 Dellach / Ob. Gailtal / Kärnten

Lilien-Fotos: siehe Link! http://www.oeav-obergailtal.at/index.php?option=com_content&view=article&id=138:lilien&catid=51:pflanzenportraets&Itemid=127

Bibliografische Informationen

QR code for Bergblumen "Auf der Mussen"
Titel Bergblumen „Auf der Mussen“: ein botanischer Wegbegleiter auf den Blumenberg Kärntens
Autor Eitel-Friedrich Scholz
Verlag Verein Pro GailTal, 2002
Länge 150 Seiten

Seiten

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