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Winterliche Bräuche

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Räuchertipps

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Von den rauen Nächten und der Wilden Jagd 

„Zu Weihnachten und Silvester darfst keine Wäsche aufhängen, sonst passiert im nächsten Jahr ein Unglück“, sagte meine Oma. Und meine Mutter übernahm dies.
Lange bevor ich mich mit Göttinnen und matrilinearem Wissen zu beschäftigen begann,
hielt auch ich mich schon daran.
Wobei ich anmerken muss, dass ich viele gute Familien-Ratschläge
gerade in jungen Jahren als absolut lächerlich befunden in den Wind schoss.
Beim Wäsche-Aufhäng-Verbot handelte es sich allerdings um einen Hinweis,
dessen Hintergrund ich in keinster Weise hinterfragte
sondern an dem ich mich einfach immer gehalten habe.
Offenbar schimmerte hier etwas durch, das keinen Widerspruch duldete.
Und viele Jahre nach der ersten Warnung meiner Oma begann ich mich mit dem Ursprung auseinander zu setzen …

Es gibt Dinge und Bräuche, die sich über all die Zeiten, in denen die Göttin eher im Hintergrund gewirkt hat, erhalten haben. Wir kennen Rituale, die durch die vielen dicken Schichten patriarchaler Vorherrschaft in Alltagsleben und Spiritualität durchscheinen und lebendig geblieben sind. Jener mit dem Wäsche-Aufhänge-Verbot ist so einer. Er führt uns direkt zur Percht und den Rauhnächten.
Im alpenländischen Raum ist dies die Hohe Zeit der alten Muttergöttin Percht, die zwar heute noch von diversen Perchtenläufen bekannt ist, deren Wirkungsweise und Macht viel umfassender ist.
Nicht nur in unserer Familie, die übrigens in einer großstädtischen Umgebung zu finden war, durfte man keine Wäsche aufhängen. Eigentlich kennt das fast jede Frau, mit der ich darüber spreche. Und jene, die am Land aufgewachsen sind, ergänzen dies mit vielen anderen sehr lebendigen Bräuchen und Ritualen in diesen geheimen, geheimnisvollen Nächten.

Vom Räuchern, haarigen Nächten und verschiedenen Zeiten

Ich schreibe „Rauhnächte“ bewusst in Form der alten Rechtschreibung, also mit einem „h“, weil deren Ursprung wahrscheinlich nicht vom Wort „rau“ sondern von „Rauch“ kommt. Um den Segen der Göttin zu erbitten, bzw. negative Einflüsse fern zu halten, wurde früher (und wird vielenorts auch noch heute) in dieser Zeit viel geräuchert. Das Ritual des Reinigens von Haus und Hof zum Jahreswechsel mittels (Feuer-) Rauch und (Weih-) Wasser (bzw. ganz profan mit Seifenlauge beim Weihnachtsputz) hat offenbar eine stark wirksame und mythologische Kraft.
Möglicherweise geht die Bezeichnung für diese Zeit auch auf das mittelhochdeutsche Wort rûch (haarig) zurück. (In der Kürschnerei ist das Wort Rauhware für Tierfell noch in Verwendung). Die Nächte stehen in enger Verbindung mit Ritualen rund um das Nutzvieh. Aber auch an Verwandlungen zwischen Tieren und Menschen wurde geglaubt. Und nicht zuletzt weist dies auf haarigen mythischen Wesen hin – die Wilde Jagd, jene Kraft- und Fruchtbarkeitstiere der Percht, die immer mit von der Partie sind.

Allerdings hat auch das Wort „rau“ seine Bereichtigung, sind diese Nächte nicht unbedingt als freundlich und lind zu bezeichnen, liegen sie doch irgendwann zwischen 4. Dezember und 6. Januar.
Wann diese 11, 12 bzw. 13 Nächte genau sind, darüber gibt es unterschiedliche Auffassungen.

Von der Mutternacht bis zum Perchtentag

Der gebräuchlichste Beginn ist die Nacht vom 24. auf den 25. Dezember, die auch  „Mutternacht“ genannt wird. Die Vermischung von vorchristlichen Wurzeln der Göttinnen-Verehrung und der christlich-religiösen Tradition ist gerade in dieser Zeit des Jahres besonders stark.

So wird auch in streng katholischen Haushalten immer noch in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember im Wald das sogenannte „Julscheit“ gesucht – ein besonderes Holzstück, das dann durch die gesamte Zeit der Rauhnächte brennen sollte. Das Reststück wird dann am Pflug befestigt, um eine gute Ernte im beginnenden Jahr zu sichern. Die Asche des Julscheits wurde früher mit dem Urin eines Ochsen vermischt, das ganze wurde in der frostigen Erde vergraben. Dies sollte ein wirksames Mittel sein, um Haus und Vieh zu schützen.

Die Mutternacht weist einerseits auf die alte Muttergöttin Percht hin, die auch Symbol für den Kampf der Dunkelheit und des Lichts ist. Andererseits liegt auch die Muttergottes Maria nun nach anstrengender Reise und Geburt im Wochenbett und tut das, was die Große Göttin für diese Tage vorsieht, nämlich nichts, sie ruht sich einfach aus. Beginnen die Rauhnächte in dieser Mutternacht, dann dauern sie üblicherweise bis zum Perchtentag, der am 6. Januar gefeiert wird (auch als Tag der „Heiligen Drei Könige“ bekannt). Diese leiten sich übrigens von den alten keltischen Göttinnen, den Bethen ab. Diese wurden zuerst in die „Heiligen Drei Madln“ und schließlich – weil die von der christlichen Kirche selbst erfundenen heiligen Märtyrerinnen noch zu sehr an die weibliche Kraft der Muttergöttinnen erinnerten – in die drei Könige aus dem Morgenland umgewandelt. Diese drei Herren sind so allerdings in keiner Bibelstelle zu finden. Näheres siehe unter Bethen.
Nach einer anderen Variante beginnen die Rauhnächte an der Wintersonnenwende, also am 21. Dezember. Jener Punkt im Jahr, an dem in der längsten Nacht das neue Licht „wiedergeboren“ wird. Was Anlass für Freudenfesten war, schon lange bevor die Geburt der Lichtgestalt Jesus die Gelegenheit zum Feiern gab.
Eine wiederum andere Möglichkeit verlegt die Rauhnächte in den christlichen Advent – auf eine Zeitstrecke, die mit dem Tag der Lucia oder Lucina, dem 13. Dezember beginnt und damit am 25. Dezember, nach der Mutternacht zu Ende geht.
Allerdings ist sogar ein noch früherer Beginn dieser heiligen und heilenden Nächte bekannt. Demnach beginnen diese bereits am 4. Dezember, dem Tag der Heiligen Barbara oder auch deren Ursprüngsgöttin Borbeth mit dem Brauch des Abschneidens der Barbara-Zweigerl zu Orakelzwecken. Wenn diese genau am bzw. bis zum Heiligen Abend, der Mutternacht blühen, dann ist im kommenden Jahr Fruchtbarkeit, Liebesglück oder eine Hochzeit gesichert.
Auf die Mutternacht weist auch ein weiteres mögliches Beginndatum der Rauhnächte hin: der 8. Dezember, jener Tag, an dem Anna, die Oma von Jesus, dessen Mutter Maria empfangen haben soll. Hier könnte alles seinen Anfang haben, auch die Rauhnächte.

Da wir uns nach dem keltischen Jahreskreis in der „Jahresnacht“ befinden, werden die Nächte besonders hervorgehoben. Eigentlich gilt der ganze Tag als „Nacht“.

Von wann bis wann diese Nächte (und Tage) nun genau sind, ihren Ursprung haben sie in der Differenz zwischen dem früher gebräuchlichen Mondkalender, der 354 Tage umfasst und dem Sonnenjahr mit 365 Tagen. (Dies errechnet sich daraus, dass eine Phase von Neumond zu Neumond, also ein Mondmonat 29,5 Tage beträgt. Also 354 Tage für das Mondjahr. Das Sonnenjahr von Wintersonnenwende zu Wintersonnenwende dauert 365,25 Tage.)
Diese elf Tage bzw. zwölf Nächte liegen damit sozusagen außerhalb der vom Mond bestimmten Zeit, ein Rhythmus, der vor allem für Frauen sehr wichtig ist. Sie werden auch Zwölfnächte, Zwischennächte, Unternächte, „die krummen Tage“ oder Perchtennächte bezeichnet.

Naturgesetze außer Kraft

Hier ist nun viel möglich: Da der Sonnenkalender für Frauen eben nicht so bestimmend ist und diese Tage daher in einer Art Vakuum liegen, ist dies eine Zeit, in der Außergewöhnliches, ja „Unverschämtes“ getan werden kann – Frauen zaubern und arbeiten magisch, ohne dass es weiters auffällt. Wird von dieser Zeit doch angenommen, dass die normalen Gesetze der Natur nun außer Kraft gesetzt und daher die üblichen Grenzen zu gewissen anderen Welten fließend sind. Damit soll nun eine höchst spirituelle Energie übers Land ziehen, die Frauen für sich nutzen können. Was vielen Menschen unheimlich war. Daher wurde auch die Lichtgestalt der Percht oder auch Holla oft dämonisiert und die Wilde Jagd nicht als Krafttiere der Göttin sondern als schreckliche Unholde betrachtet.
Rein praktisch gesehen, war dies früher vor allem aber auch eine Zeit, in der sich Frauen von der schweren Arbeit des ganzen Jahres ausruhen konnten, weil gerade jetzt nicht viel getan werden konnte. Die Ernte war eingebracht, die Tätigkeiten zur Vorratshaltung abgeschlossen, das Haus geputzt und die Lebkuchen gebacken. Dieses „Nichtstun“, das Stillwerden, das In-sich-Gehen wurde noch durch eine Reihe von Geboten der Percht und dementsprechende Bräuche verstärkt.
Im Kreislauf der Natur wirkt nämlich nun jene Phase, in der alles, was in drei bis vier Monaten wieder aktiv wird, zu blühen beginnen wird, nun unter der Erde ruht und seiner Erweckung, seiner Reifung entgegen schlummert. Oberstes Gebot der alten Muttergöttin Percht ist, dass sich auch Menschen als Teil der Natur an diesen Rhythmus halten.

Alle Räder stehen still …

Das bedeutet, sich zurückziehen, zu regenerieren, Kräfte zu sammeln. Besonders bei Frauen legt Percht diese Regeln streng aus. In dieser Zeit der Rauhnächte darf von Alters her nicht geputzt, gewaschen, gewebt oder gesponnen werden. Alle Räder sollen stillstehen. Frauen, die jetzt am Spinnrad sitzen, denen verwirrt Percht die Wolle. Wer jetzt Wäsche aufhängt, kann sicher sein, dass Percht mit der Wilden Jagd durch diese durchfährt, sie zerreißt und möglicherweise noch schlimmeres Unglück über das Haus kommen lässt. Es wird gesagt, Percht kontrolliere persönlich, ob zu Beginn der Rauhnächte die Spulen abgewickelt, die Rocken leer gesponnen sind. Dies alles nicht, um die Frauen einzuschränken und zurechtzuweisen, denn Percht ist die Schutzgöttin der Frauen. Sie sorgt dafür, dass sie zur Ruhe kommen, nicht zuviel arbeiten – in dieser stillen Zeit zwischen den Jahren und auch sonst.
Auch wenn wir nicht mehr am Spinnrad sitzen, so sollte Percht ernst genommen und ihre Regeln für die Rauhnächte entsprechend adaptiert angewandt werden. Sind doch gerade diese, oft mit der „stillsten Zeit des Jahres“ bezeichneten Tage von Hektik, Stress und angespannten Familienfestivitäten geprägt. Es muss jedoch nicht das großartige 5-Gang-Menü für die gesamte Familie sein. Es müssen nicht die unzähligen Hin- und Her-Besuche sein, die viele ohnehin nur nerven. Es muss auch nicht sofort jeder Kekskrümmel weggeputzt werden, und wenn, dann nicht unbedingt von den Frauen. Und was die Wäsche anlangt: Eine Freundin von mir wollte vor einigen Jahren die Percht mit ihrer Wilden Jagd austricksen und hat ihre Wäsche in den Rauhnächten gewaschen und in den Wäschetrockner gesteckt. „Dann hab ich sie ja nicht aufgehängt“, meinte sie. Tja, und die wilde Jagd kennt offenbar mittlerweile auch schon moderne Haushaltsgeräte, deren Räder nicht – wie von Percht vorgesehen – still standen. Einige ihrer absoluten Lieblingsstücke hat meine Freundin zerrissen aus dem Trockner geholt. Was vorher und nachher nie passiert ist …

Ich denke mir, jede sollte individuell mit der Percht in den Rauhnächten konferieren, bzw. in sich gehen und schauen, was für die Balance und die Kraft, die man in diesen Tagen schöpfen kann, hilfreich ist.

Orakeln mit der Bärmutter

Vielerort wird die Percht auch Bärmutter oder Bermuada genannt. Dass hier nicht nur der Bär bzw. die Bärin sondern vor allem auch die Gebärmutter gemeint ist, liegt auf der Hand. Percht ist die Gebärende des stärker werdenden Lichts auch wenn alles ringsum noch in Dunkelheit und Kälte erstarrt und wie tot erscheint. Sie ist die, die Leben bringt und gleichzeitig den Tod symbolisiert.
Daher tritt sie auch gerade in jenen Tagen besonders in Erscheinung, in denen sich sich der Übergang, der Wandel vom Alten ins Neue Jahr vollzieht. Übergänge werden immer als gefährlich, ja unheilvoll erlebt. Dennoch ist hier auch die Wende zur größten Chance, zum Sprung in das Neue. Nicht von ungefähr wird vielerorts noch heute der Perchtensprung praktiziert. Dazu treffen sich Frauen in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar oder am Abend des 6. Januar. Entweder machen sie ein Feuer, in dem sie alles Alte, Unaktuelle verbrennen und damit transformieren und zuletzt über dieses springen. Oder sie springen über einen Trog.

Das Feuer heizt in wundervoller Weise die wichtigen Organe an, die Fruchtbarkeit auf allen Ebenen bringen, der Trog symbolisiert die Fülle und das Gefäß der Gebärmutter (Percht als „Bärmutter“).

Nach diesem Sprung zieht die Percht mit der Wilden Jagd weiter – die Rauhnächte sind offiziell beendet.

Die Rauhnächte werden traditionell auch zum Orakeln genutzt. So kann die Qualität jedes Tages bzw. die Träume jeder Nacht in dieser Zeit als Deutung für einen Monat des kommenden Jahres stehen. Somit steht die erste Rauhnacht für den Januar, die zweite für den Februar und so fort. Menschen, die daran glauben, beobachteten vieles: Das Wetter, wie das Essen geschmeckt hat, was Freude bereitet hat, ob gestritten wurde oder ob es friedlich zuging. Wenn es Probleme gibt, welcher Art sie sind. Alles, auch das noch so Unwichtige, kann als Hinweis auf das kommende Jahr genommen werden. Im Tiroler Unterland glaubt man, dass durch das „Leaslen“ (Losen) etwas aus dem nächsten Jahr zu erfahren ist, z.B. ob man bald heiraten oder zu Reichtum gelangen werde. In Südtirol sagt man aus der Fallrichtung eines geworfenen Schuhs die Zukunft voraus. Auch der Brauch, in der Rauhnacht vom 31. Dezember auf 1. Januar (Silvester) mittels Bleigießen etwas über die Zukunft zu erfahren schließt an diese uralten Rituale an.

Wünschen, Träumen, Ideen spinnen

Abgesehen von diesen Orakel-Bräuchen, bieten diese Tage und Nächte eine gute Gelegenheit, das vergangene Jahr abzuschließen und sich Visionen für das kommende Jahr einzuladen. Ich meine hier ganz bewusst „Visionen“, Wünsche, Träume, innere Bilder, das Erhaschen von Botschaften aus anderen Welten, Ideen-Spinnereien und nicht Planung.
Eine gute Zeit, Dinge zu planen ist nach dem Ende der Rauhnächte, wenn wir wieder „in der Zeit“, im Sonnenjahr gelandet sind. Eine noch so sorgfältige Planung, die innerhalb der Rauhnächten gemacht wird, wird mit großer Wahrscheinlichkeit in der Ausführung gewaltig über den Haufen geworfen (schon ausprobiert und selbst erfahren!).

Maulgaben, Böllern und Rasseln

Die Rauhnächte markieren also u.a. den Jahreswechsel und haben – je nach Region – viele weitere geheimnisvolle Bedeutungen und Phänomene. So sollen beispielsweise die Tiere in jenen Nächten reden. Durch geweihte „Maulgaben“ für das Vieh soll Unheil von Haus und Hof abgewehrt werden. Auch Spenden an „Heischende“ (Sternsinger, Müllabfuhr, Rauchfangkehrer) sollen das Glück bewahren. Ferner besitzen nach Auffassung der meisten europäischen Völker jene Kinder, die an einem Samstag während dieser 12 Tage geboren werden, magische Kräfte. Da die Schleier zwischen den Welten ja nun ganz besonders dünn sind, befürchten viele, dass seltsame Wesen durch diese durchdringen könnten. Diese trachtete man schon immer mit allerlei Lärm, vor allem in der Silvesternacht zu verschrecken und von Haus und Hof abzuhalten – mit Böllern, Rasseln oder – ganz modern – gleich mit ganzen zischenden und knallenden Feuerwerken.
Die Wilde Jagd bringt Fruchtbarkeit

Den christlichen Kirchenvätern waren allerdings immer schon die Bräuche und Riten um die alte Göttinnen – also auch um die Percht – suspekt. Daher stammt auch die erste handschriftliche Erwähnung der Frau Percht aus dem beginnenden 15. Jahrhundert just von einem Mönch. Diese befindet sich im Münchner Staatsarchiv und erzählt unter dem Begriff „superstitio“ (= lat. für Aberglauben) seitenweise von der „fraw Percht„. Der Mönch beklagt die Unsitte der Bevölkerung, in den Rauhnächten für die Frau Percht und ihr Gefolge die Häuser zu säubern, zu schmücken und ihr Speisen aufzustellen.
Es wurde viel versucht, vom Glauben an die alten Göttin abzulenken. Einerseits setzte die Kirche auf diese Tage jede Menge Feste: den Tag der Heiligen Barbara am 4. Dezember, den Niklaustag am 6. Dezember, Weihnachten mit Christ- und Stephanitag, den Tag des Heiligen Silvester und die Feier der Heiligen Drei Könige.
Andererseits versuchte man, die Percht und alles, was mit ihr zu tun hat, zu verdammen. Das betrifft vor allem die Wilde Jagd und die Angstmache um diese war ja auch nicht besonders schwer. Die ums Haus fegenden Winterstürme können ja auch wirklich bange machen. Nicht selten werden die Rauhnächte daher auch als „Raubnächte“ bezeichnet. Alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wird von den finsteren Gestalten rund um die Percht hinweggefegt und damit geraubt. Die Warnungen der Kirchenväter gingen sogar so weit, dass die Wilde Jagd beschuldigt wurde, kleine Kinder mitzunehmen. Doch eigentlich ist eher das Gegenteil der Fall. Diese heimelig-kuscheligen Nächten bieten gute Voraussetzung dafür, dass die alte Muttergöttin, die jetzt umgeht, spätestens in 9 Monaten Kinder bringt.
Mythologisch gesehen reiten im Gefolge der Percht nämlich meist wilde Hunde, aber auch Ziegen, Schweine und Hasen. Alles Tiere, die mit Fruchtbarkeit in Verbindung stehen. Und diese passen auch gut zu den am meisten vorgebrachten Wünschen und Orakel-Fragen in diesen heiligen Nächten: Wie steht es mit der eigenen Fruchtbarkeit und jener von Vieh, Feldern und Nutzpflanzen? Die mittelalterliche Kirche brachte allerdings die Tiere der Wilden Jagd gleich mit Sexorgien in Verbindung und warnte sehr vor ihr.
Menschen, die sich davon nicht einschüchtern lassen und die sich des Segens und des Schutzes all jener Wesen versichern wollen, stellen für diese in den Rauhnächten Milch, Brot und weiße Speisen vor die Tür.

Die Nacht der Wunder

Die große Festnacht der Percht ist jene vom 5. auf den 6. Januar, die letzte der Rauhnächte, die im Volksglauben auch „Nacht der Wunder“ genannt wird. Jetzt verteilt sie ihre Gaben. Dieser Tag wurde früher auch Epiphanie = „Erscheinung“ genannt.
Frauen feiern dies heute wieder, indem sie mit guten Wünschen und dem, was sie sich in den Rauhnächten erträumt haben, über das Perchtenfeuer springen (siehe oben). Besonders kraftvoll soll dies sein, wenn sich dazu genau 12 Frauen treffen. Wird bei diesem Fest eine Dreizehnte wahrgenommen, dann ist Percht höchstpersönlich dabei. Ist das Feuer dann zu einer Glut herunter gebrannt, dann sind auch Orakel im Perchtenfeuer besonders aussagekräftig. Dazu denkt sich eine Frau eine wichtige Frage, auf die sie von der Göttin eine Antwort oder einen Hinweis erhalten will. Alle anderen Frauen halten ihre Gedanken einstweilen zurück. Dann beobachten alle, wie sich die Glut verändert, wie da und dort Flämmchen züngeln oder Rauch aufsteigt, welche Gestalten, Tiere, Gesichter sich in der Glut zeigen, wo Holz knackt und runterfällt, ob es knistert und zischt oder ob alles ruhig bleibt. All das sind Hinweise der Percht, die von der Fragenden und allen anderen gedeutet werden können.

Andrea Amita Dechant

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